Kinder, die in einem oder mehreren Bereichen
Schwierigkeiten haben und demzufolge Lerninhalte nicht ausreichend in zwei
Jahren erlernt haben, können ein drittes Jahr in der Eingangsstufe
bleiben. Dieses zählt nicht als Sitzenbleiben und hat auch keinen Wechsel
der Lerngruppe zur Folge. Das Kind verbleibt einfach ein Jahr länger in
der Gruppe.
Da sowieso jedes Jahr Kinder die Lerngruppe verlassen
und neue dazukommen, fällt der „Wiederholer" nicht als solcher
auf. Außerdem braucht er nicht, wie bisher, mit dem Stoff genau ein Jahr
zurück beginnen, sondern arbeitet einfach in seinen Materialien weiter.
Nach dem dritten Jahr rückt er dann in die 3. Klasse auf.
In Einzelfällen, wenn ein Kind sozial, emotional und
kognitiv besonders weit entwickelt ist und extrem schnell die Lerninhalte
verinnerlicht hat, kann dieses Kind die Eingangsstufe auch in einem Jahr
durchlaufen, d.h. es überspringt sozusagen ein Jahr.
Von den Richtlinien für Grundschulen wird schon seit
geraumer Zeit Selbstständigkeit, Eigenverantwortung, Lebenslanges Lernen,
Kreativität, Individualisierung, Lebensbedeutsamkeit,
Handlungsorientierung und ganzheitliches, fächerübergreifendes Lernen
gefordert. Diesen hehren Zielen versuchen wir durch einen veränderten
Unterricht etwas näher zu kommen.
Jedes Kind soll sich eigenverantwortlich für sein
Lernen fühlen und selbst entscheiden, wann es was lernt. Daraus ergibt
sich, dass nicht jedes Kind zur gleichen Zeit am gleichen Lerninhalt
arbeitet. Das Material/ die „Bücher" müssen demzufolge
selbstständiges Lernen ermöglichen. Sie müssen selbsterklärend sein
und Möglichkeiten der Selbstkontrolle bieten. Die Materialien sollten
verschiedene Lernstände und Schwierigkeitsgrade berücksichtigen, damit
kein Kind unter- oder überfordert ist. Die Bücher sollten individuelles,
aber auch gemeinsames Lernen ermöglichen, d.h. es soll damit sowohl
jahrgangsgemischt als auch jahrgangsbezogen gearbeitet werden können.
Deshalb muss in den Materialien der gleiche Lerninhalt altersgerecht
aufgearbeitet sein und parallel einsetzbar sein.
Außerdem sollte ein Kind, dessen Eltern und auch die
Lehrkraft jederzeit eine Übersicht über den Lernstand des Kindes haben.
Dafür haben wir ein Lernlogbuch entwickelt, in das Arbeiten für jeden
Tag, die Hausaufgaben und Mitteilungen notiert werden können. Auch bietet
so ein Heft die Möglichkeit, Bilanz- und Zielgespräche festzuhalten und
einen Überblick über den Lernstand zu erhalten.
Die Lernumgebung muss so strukturiert sein, dass
individuelles, selbstständiges Lernen möglich ist, d.h. die Kinder
müssen benötigte Materialien an vereinbarten Plätzen vorfinden. Sie
müssen geordnet und übersichtlich bereitgestellt sein. Dazu sollten
Lernzonen mit Materialsammlungen zu allen Lerninhalten angelegt sein. Es
muss eine abwechslungsreiche Umgebung geschaffen werden, in der Kinder
gerne lernen; mit Nischen zum Zurückziehen. Kinder können auf
Gruppenräume oder an andere Lernorte ausweichen. Wichtig bei alldem ist
dennoch eine gewisse Ordnung, Struktur und Übersichtlichkeit.
Die Lehrkräfte versuchen, eine andere Rolle
einzunehmen. Sie verstehen sich mehr als Lernbegleiter und sind davon
überzeugt, dass Kinder auch miteinander und voneinander lernen können.
Sie versuchen durch die äußeren Bedingungen eine ruhige aber dennoch
anregende Lernatmosphäre zu schaffen. Lehrkräfte sollten sich zugunsten
der Kinder und des Materials zurücknehmen und flankierend den Lernprozess
unterstützen. Sie organisieren einen individualisierten und somit
differenzierten Unterricht. Grundvoraussetzung ist dabei, dass die beiden
hauptverantwortlichen Lehrkräfte mit möglichst vielen Stunden in der
Lerngruppe tätig sind und somit kein ständiger Fachlehrerwechsel
stattfindet.
Die Unterrichtszeit orientiert sich an der Struktur der
3. und 4. Klasse, ist aber nicht in den klassischen 45 min-Takt
eingebettet. Die Lernzeit kann so besser dem individuellen Lernrhythmus
angepasst werden. Eine täglich wiederkehrende Tagesstruktur bietet den
Kindern einen verlässlichen Rahmen.
Zurzeit sieht die Struktur wie folgt aus: