Die Eingangsstufe

Ab dem Schuljahr 2011/12 werden in der Grundschule in Hansahlen Schülerinnen und Schüler der ersten und zweiten Klasse gemeinsam in der sogenannten „Eingangsstufe“ unterrichtet. Damit folgt die Schule der Möglichkeit, die das

Niedersächsische Schulgesetz in §6(4) vorsieht. Danach „können Grundschulen den 1. und 2. Schuljahrgang als pädagogische Einheit führen, die von einzelnen Schülerinnen und Schülern in drei Schuljahren durchlaufen werden kann.“ Man knüpft dabei an die häusliche Situation in der Familie an, in der ja ebenso Personen unterschiedlichen Alters zusammenleben. Auch im Kindergarten machen die Kinder von 3 bis 6 Jahren gemeinsame Lernerfahrungen. Unterschiedlichkeit wird hierbei als Chance und als Bereicherung gesehen.

 

Kinder einer „normalen“ ersten Klasse sind niemals kognitiv, sozial und emotional gleich weit entwickelt. Leistungsunterschiede bis zu drei Jahren sind schon am ersten Schultag sichtbar. Deshalb wird in der Eingangsstufe gar nicht erst versucht, dies durch die äußere Form vorzutäuschen. Durch verschieden alte, im Lernprozess verschieden weite Kinder kommt es nicht zur Gleichmacherei. Jeder soll das lernen, was seinem Leistungsvermögen entspricht. Ein sozial, emotional

und kognitiv normal entwickeltes Kind wird die Eingangsstufe regulär in zwei Jahren durchlaufen. Es wird die Lerninhalte des 1. und 2. Schuljahres im normalen Tempo lernen und nach zwei Jahren in die dritte Klasse versetzt

werden.

 

Kinder, die in einem oder mehreren Bereichen Schwierigkeiten haben und demzufolge Lerninhalte nicht ausreichend in zwei Jahren erlernt haben, können ein drittes Jahr in der Eingangsstufe bleiben. Dieses zählt nicht als Sitzenbleiben und hat

auch keinen Wechsel der Lerngruppe zur Folge. Das Kind verbleibt einfach ein Jahr länger in der Gruppe. Da sowieso jedes Jahr Kinder die Lerngruppe verlassen und neue dazukommen, fällt der „Wiederholer“ nicht als solcher auf. Außerdem braucht er nicht, wie bisher, mit dem Stoff genau ein Jahr zurück beginnen, sondern arbeitet einfach in seinen Materialien weiter. Nach dem dritten Jahr rückt er dann in die 3. Klasse auf.

 

In Einzelfällen, wenn ein Kind sozial, emotional und kognitiv besonders weit entwickelt ist und extrem schnell die Lerninhalte verinnerlicht hat, kann dieses Kind die Eingangsstufe auch in einem Jahr durchlaufen, d.h. es überspringt sozusagen ein Jahr.

 

Von den Richtlinien für Grundschulen wird schon seit geraumer Zeit Selbstständigkeit, Eigenverantwortung, Lebenslanges Lernen, Kreativität, Individualisierung, Lebensbedeutsamkeit, Handlungsorientierung und ganzheitliches, fächerübergreifendes Lernen gefordert. Diesen hehren Zielen versuchen wir durch einen veränderten Unterricht etwas näher zu kommen.

 

Jedes Kind soll sich eigenverantwortlich für sein Lernen fühlen und selbst entscheiden, wann es was lernt. Daraus ergibt sich, dass nicht jedes Kind zur gleichen Zeit am gleichen Lerninhalt arbeitet. Das Material/ die „Bücher“ müssen demzufolge selbstständiges Lernen ermöglichen. Sie müssen selbst erklärend sein und Möglichkeiten der Selbstkontrolle bieten. Die

Materialien sollten verschiedene Lernstände und Schwierigkeitsgrade berücksichtigen, damit kein Kind unter- oder überfordert ist. Die Bücher sollten individuelles, aber auch gemeinsames Lernen ermöglichen, d.h. es soll damit sowohl jahrgangsgemischt als auch jahrgangsbezogen gearbeitet werden können. Deshalb muss in den Materialien der gleiche Lerninhalt altersgerecht aufgearbeitet sein und parallel einsetzbar sein.

 

Außerdem sollte ein Kind, dessen Eltern und auch die Lehrkraft jederzeit eine Übersicht über den Lernstand des Kindes haben. Dafür haben wir ein Lernlogbuch entwickelt, in das Arbeiten für jeden Tag, die Hausaufgaben und Mitteilungen

notiert werden können. Auch bietet so ein Heft die Möglichkeit, Bilanz- und Zielgespräche festzuhalten und einen Überblick über den Lernstand zu erhalten.

 

Die Lernumgebung muss so strukturiert sein, dass individuelles, selbstständiges Lernen möglich ist, d.h. die Kinder müssen benötigte Materialien an vereinbarten Plätzen vorfinden. Sie müssen geordnet und übersichtlich bereitgestellt sein. Dazu sollten Lernzonen mit Materialsammlungen zu allen Lerninhalten angelegt sein. Es muss eine abwechslungsreiche Umgebung geschaffen werden, in der Kinder gerne lernen; mit Nischen zum Zurückziehen. Kinder können auf Gruppenräume oder an andere Lernorte ausweichen. Wichtig bei alldem ist dennoch eine gewisse Ordnung, Struktur und Übersichtlichkeit.

 

Die Lehrkräfte versuchen, eine andere Rolle einzunehmen. Sie verstehen sich mehr als Lernbegleiter und sind davon überzeugt, dass Kinder auch miteinander und voneinander lernen können. Sie versuchen durch die äußeren Bedingungen eine ruhige aber dennoch anregende Lernatmosphäre zu schaffen. Lehrkräfte sollten sich zugunsten der Kinder und des Materials zurücknehmen und flankierend den Lernprozess unterstützen. Sie organisieren einen individualisierten und somit

differenzierten Unterricht. Grundvoraussetzung ist dabei, dass die beiden hauptverantwortlichen Lehrkräfte mit möglichst vielen Stunden in der Lerngruppe tätig sind und somit kein ständiger Fachlehrerwechsel stattfindet.

 

Die Unterrichtszeit orientiert sich an der Struktur der 3. und 4. Klasse, ist aber nicht in den klassischen 45 min-Takt eingebettet. Die Lernzeit kann so besser dem individuellen Lernrhythmus angepasst werden. Eine täglich wiederkehrende

Tagesstruktur bietet den Kindern einen verlässlichen Rahmen.

 

Zurzeit sieht die Struktur wie folgt aus:

Die Lehrkräfte der Eingangsstufe überprüfen ihre Zielsetzung ständig anhand der Praxis. Infolgedessen werden sich auch zukünftig sicherlich immer wieder Anpassungsveränderungen des Hansahlener Eingangsstufenkonzeptes ergeben.

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Die Eingangsstufe
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Jahrgangsgemischte Eingangsstufe - ein Weg zum erfolgreichen Lernen
Februar 2016
MK_FLYER_Eingangsstufe_2016-04-06.pdf
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Die jahrgangsgemischte Eingangsstufe
2007
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